Lucanische - Ständelwurz
Epipactis lucana
H. PRESSER, S. HERTEL & V.A. ROMANO  


Zur Kenntnis einiger Epipactis-Arten in Italien, Stefan Hertel und Helmut Presser; Berichte aus den Arbeitskreisen Heimische Orchideen. 32 (2): 79-109 (2015).


Abb. 1
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., Typus-Exemplar, 08.08.2015
Foto: HP



Abb. 2
Italien, Basilicata, Brienza, L.c., Typus-Exemplar,
08.08.2015
Foto: HP


Abb. 3
Italien, Basilicata, Brienza, L.c., 09.08.2014
Foto: HP



Abb. 4
Italien, Basilicata, Brienza, L. typicus, 31.07.2014
Foto: HP

Typus:
Italien, Brienza, 1300 m s. m. 8.8.2015, hinterlegt im Herb. UNIBAS.

Syn.:
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Etymologie:
Benannt nach dem alten Namen Lukanien für das Hauptverbreitungsgebiet der Art.

Wuchs und Größe :

kleine bis mittelgroße, selten große Pflanzen, (10) 15-30 (bis 80) cm hoch

Stängel:

auch bei zierlichen Pflanzen relativ kräftig, insbesondere bei kleinen Pflanzen ein wenig hin und her gebogen, sonst steif aufrecht, bei kräftigeren Pflanzen auffallend dick, rein grün, nur ganz selten etwas violett überlaufen, im basalen Teil schwach, weiter oben etwas stärker flaumig weiß behaart

Blätter:

Niederblätter 1-2, manschettenförmig; Laubblätter 2-4 (5), meist recht kurz, die größten 3,5-12 cm lang und 1-4 cm breit, breit lanzettlich bis oval, spitz, grün, meist derb und dunkelgrün, oft überhängend bzw. sichelförmig gebogen, häufig rinnig und am Rand gewöhnlich gewellt; unterste Blätter ausgebreitet meist fast kreisrund, 2,5-6 cm lang und 1,5-5 cm breit, Blattansatz sehr häufig grün, selten violett, Hochblätter 0-3, 3-6 cm lang und 0,7-2,2 cm breit, lanzettlich bis schmal lanzettlich, spitz

Blütenstand:

relativ locker, ein Viertel bis knapp die Hälfte (bei kleinen Pflanzen) einnehmend mit (5) 8-20 (30) Blüten, Spindel kurz weißlich-grau behaart

Fruchtknoten und Stiel:

Fruchtknoten dunkelgrün, sehr schwach weißlich behaart, 0,7-0,9 cm lang; Stiel an der Basis meist violett; kurz (bis 0,2 cm)

Tragblätter:

lanzettlich, +/- waagerecht orientiert, meist nur so lang wie die Blüten, das unterste mit bis zu 4 cm z.T. deutlich länger.

Blüten:

mittlere Größe, waagerecht orientiert bis leicht hängend, alle Blüten normal geöffnet, Knospen kugelig, spitz

Bestäubung allogam

Sepalen:

grün, schmal eiförmig, spitz, die seitlichen ca. 8-11 mm lang und 4-6,5 mm breit, gelegentlich außen dunkel bräunlich überlaufen

Petalen:

blasser grün bis weißlich-grün, selten leicht rosa, mit deutlicher, grüner Mittelrippe (außen manchmal dunkel gefärbte Mittelrippe), spitz eiförmig, ca. 7-10 mm lang und 4-6,5 mm breit

Hypochil:

mittelgroß, kreisrund, ca. 4 mm x 4 mm, tief napfförmig, außen grün, innen grünlich (seltener) über braungrün bis braun, wenig Nektar führend

Durchgang zwischen Hypo- und Epichil: U-förmig, mittlere Breite, mit breitem Kragen

Epichil/Kalli:

breit dreieckig, spitz, die Spitze oft nach unten gebogen, ca. 4,5-5 x 3-4 mm, weiß (selten grünlich weiß) mit schmutzig grünen bis violetten (selten blassgrünen) Kalli. Bei kräftiger Färbung strahlt die violette Farbe schwach in die weißen Bereiche, selten auch auf den Kragen aus, Seitenkalli normal bis sehr kräftig ausgeprägt, Mittelkallus eher schwach

Gynostemium:

Klinandrium und Rostellum voll entwickelt, Viscidium funktionsfähig, Narbe rechteckig bis oval und etwas gehöhlt, Anthere sitzend, Pollinien kompakt und erst spät krümelig werdend

Blütezeit:

(M) E 7 – 8 (A9)


Variabilität:
Epipactis lucana variiert außer im Habitus vor allem in der Färbung des Epichils, ist ansonsten aber relativ konstant.
Verwechslungsmöglichkeiten:
Epipactis lucana kann vor allem mit Epipactis meridionalis und Epipactis helleborine verwechselt werden, aber auch mit Epipactis sanguinea.

Sie unterscheidet sich von Epipactis meridionalis durch eine spätere Blütezeit, einen dickeren und immer grünen Stängel, meist rundlichere Perigonblätter und kaum rote Farbanteile außer auf dem Epichil. Pflanzen mit violettem Stängel oder violettem Fruchtknoten gehören daher stets zu Epipactis meridionalis. Auch die Innenseite des Perigons ist bei Epipactis lucana fast immer rein grün. Der Kallus ist bei Epipactis meridionalis stärker gefurcht und der Mittelkallus ist stärker ausgeprägt als bei Epipactis lucana. Die Blüten von Epipactis lucana sind in der Regel weiter geöffnet und hängen auch etwas stärker als bei Epipactis meridionalis. Die glänzenden, viel derberen, sichelförmig gebogenen, meist überhängenden Blätter mit welligem Rand sind ein weiteres Charakteristikum von Epipactis lucana. An gemeinsamen Wuchsorten lassen sich die beiden Arten allein anhand der unterschiedlichen Blütezeit gut unterscheiden.

Kräftige Pflanzen können Epipactis helleborine s.l. ähneln, die jedoch früher blüht und im Buchenwald breitere, flachere Blätter besitzt, die deutlich heller, dünner und am Rand nicht gewellt sind. Die auffällige Farbverteilung des Epichils kräftiger gefärbter Exemplare kommt bei Epipactis helleborine kaum vor, dagegen ist bei dieser Sammelart das Perigon meist bunter gefärbt. Kräftige Exemplare werden deutlich größer als Epipactis lucana, der Stängel ist allerdings bei vergleichbaren Exemplaren stets dünner.

Von Epipactis sanguinea unterscheidet sie sich durch eine etwas frühere Blütezeit, die derben, dunkelgrünen Laubblätter und den dicken Stängel. Der Habitus von zierlicheren Exemplaren kann sehr ähnlich aussehen. Auch die Blüten können durch den kräftig gefärbten Kallus ähnlich aussehen. Allerdings ist Epipactis sanguinea autogam mit bröseligen Pollinien und stets funktionslosem Viscidium, die Blüten sind weniger kräftig und die Blütenblätter sind länglicher. Der Blütenstiel von Epipactis sanguinea ist auch am Ansatz grün.


Stand 2016
Verbreitungsgebiet
Kartenquelle: www.mygeo.info
Verbreitung

Gebiet:

vom Mte. Pollino im Süden (Kalabrien) bis mindestens zum Gran Sasso im Norden und nach Westen bis in die Monti Picentini.

Höhe:

1000-1600 m

Standort

Boden:

frische, kalkhaltige Böden, halbschattig bis schattig

Exposition:

alle, gerne in Verebnungen aber auch in Hanglagen und auf Kuppen

Biotoptyp:

meist unterwuchsarmer Buchenwald aber auch Eichenwald

Besonderheiten
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Problematik
Epipactis lucana wurde bisher als Ep. meridionalis angesprochen, die in der Basilikata deutlich seltener ist. Daher dürften viele Meldungen von Epipactis meridionalis von dort zu Epipactis lucana gehören. Südlich des Pollino wurde Epipactis lucana bisher nicht gefunden, sodass die Südgrenze der Verbreitung derzeit klarer scheint als die Grenze nach Norden.
.


Abb. 5
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 6
Italien, Calabria, Monte Pollino, Lungro, hier zusammen mit
Ep. sanguinea
, 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 7
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 8
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ.., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 9
IItalien, Basilicata, Brienza, L. typ., mit einer verblühten Pflanze von Ep. helleborine,
09.08.2014
Foto: HP

Abb. 10
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 11
Italien, Calabria, Monte Pollino, Lungro, 08.08.2014
Foto: HP

Abb. 12
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 13
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 14
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., sehr kleine Exemplare,
09.08.2014
Foto: HP

Abb. 15
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., mit einer verblühten
Pflanze von Ep. helleborine, 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 16
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., sehr kleines Exemplar,
nahezu chlorophyllfrei, 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 17
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., sterile Exemplare sind
selten, 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 18
Italien, Basilicata, Brienza, L.c., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 19
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 20
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 21
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 22
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 23
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 24
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 25
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 26
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 27
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 28
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 29
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 30
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 31
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 32
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 33
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 34
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., unterste Laubblätter verschiedener Exemplare, 21.08.2014
Foto: HP

Abb. 35
Italien, Basilicata, Brienza, L. typicus, 31.07.2014
jeweils das längste Blatt von unterschiedlichen Individuen
Foto: HP

Abb. 36
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 37
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 38
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 39
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 40
Italien, Basilicata, Monti Piccini, Laceno, 06.08.2015
Foto: HP

Abb. 41
Italien, Basilicata, Abriola,mit Bestäuber, 03.08.2013
Foto: HP

Abb. 42
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 43
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 44
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 45
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 46
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 47
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 48
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 49
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 50
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 51
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 52
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 53
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 54
Italien, Basilicata, Abriola, 03.08.2013
Foto: HP

Abb. 55
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., Exemplar ohne Rottöne,
08.08.2015
Foto: HP

Abb. 56
Italien, Calabria, Monte Pollino, Lungro, 08.08.2014
Foto: HP

Abb. 57
Italien, Basilicata, Abriola, besonders kräftiges Exemplar,
03.08.2013
Foto: HP

Abb. 58
Italien, Basilicata, Abriola, t03.08.2013
Foto: HP

Abb. 59
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 60
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 61
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 62
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 63
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 64
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 65
Italien, Basilicata, Marsico Nuovo, 24. 07.2008
Höhe ca.1300 m
Foto: HZ

Abb. 66
Italien, Basilicata, Brienza, 16.08.2014
Foto: SH

Abb. 67
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 68
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 69
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 70
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 71
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH
Abb. 72
Italien, Calabria, Monte Pollino, Lungro, 08.08.2014
Foto: HP

Abb. 73
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 74
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 75
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 76
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 77
Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW

Abb. 78
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 79
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 80
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 81
Italien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP

Abb. 82
Italien, Basilicata, Brienza, 12.08.2013
Foto: SH

Abb. 83
Italien, Basilicata, Brienza, L. typicus, 31.07.2014
Größenvergleich von Blüten einer kleinen und einer großen Pflanze.
Foto: HP

Abb. 84
IItalien, Basilicata, Brienza, L. typ., 09.08.2014
Foto: HP


Abb. 85
Blattrand-Detail

Italien, Basilicata, Brienza, 31.07.2015
Foto: WW


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