Hundswurz, Pyramidenorchis
Anacamptis pyramidalis
(L.) L.C.M. RICHARD (1817)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae

Veröffentlicht in:
De orchid. eur.: 33. 1817

Basionym:
Orchis pyramidalis LINNÉ, Sp. pl. 2: 940. 1753

Lectotypus:
RAY, Syn. meth.stirp. brit. ed. 3: Tafel 18. 1724.
Herkunft: England, Umgebung von Oxford, ca. 1723, leg. J.J. DILLENIUS (BAUMANN, KÜNKELE & LORENZ 1989: 439,, 568-569)

Synonyme:
-

Etymologie:
pyramidalis (lat.), beschreibt die Form des aufblühenden (!) Blütenstandes


Abb. 1
Habitus einer aufblühenden Pflanze, Lechheide südl. Augsburg, 27.06.2010.
Foto: Uwe Grabner

Beschreibung

Im Frühsommer, wenn das Gras der Kalk-Magerwiesen schon etwas höher steht, kann man in Bayern vor allem in den Flußtälern mit etwas Glück die Pyramidenorchis entdecken. Dort, wo sie vorkommt, ist sie zur Blütezeit durch ihre leuchtend karminroten Blüten schon weithin sichtbar.
Der dichte Blütenstand besitzt die namensgebende Form eigentlich nur in der Aufblühphase. Zur Zeit der Hochblüte ist er eher eiförmig bis zylindrisch.
Die Laubblätter sind hellgrün und ungefleckt, am Grund rosettig gehäuft, nach oben hin stängelbegleitend und zunehmend brakteenförmig.
Bei Exemplaren mit dunkler Blütenfärbung können die oberen Blätter und die Tragblätter rotbraun überlaufen sein.
Ihre Einzelblüten bilden, wie viele Orchis- und Dactylorhiza-Arten, mit Hilfe der Petalen und des mittleren Sepals einen offenen Helm zum Schutz der Fortpflanzungsorgane aus. Die beiden seitlichen Sepalen stehen flügelartig ab.
Die Lippe ist dreilappig, wobei der Mittellappen meist etwas vorgezogen ist. Die Ausprägung der Dreilappigkeit kann jedoch recht variabel sein. Manchmal findet man auch beinah ganzrandige Lippen.
An der Lippenbasis finden sich zwei längsverlaufende Wülste, auch "Leisten" genannt. Sie dienen dem Bestäuber als "Führungsleisten" beim Einführen des langen Rüssels in den nadelförmigen schlanken Sporn, der so lang wie, bzw. länger als der Fruchtknoten ist.
Zu ihren Bestäubern zählen tagaktive und nachtaktive Falter. Erstere werden vornehmlich durch die auffallende Blütenfarbe angelockt, während die nachtaktiven Falter über den süßlichen Duft auf die Blüten finden.

Variabilität:

Sehr variabel ist die Intensität der Blütenfärbung.
Sie kann zwischen Reinweiß bis Dunkelviolett schwanken.
Auffallend stabil ist die außerordentlich dunkle Färbung der Pflanzen am Lech. Sie erinnert an die dunkelblühende Varietät tanayensis aus der Schweiz, die jedoch kleinere Blüten und einen kürzeren Sporn aufweist.

Blütezeit:

(Ende Mai) Anfang Juni - Anfang (Mitte) Juli, zum Teil auch in Bayern in zeitlich versetzten Blühschüben.




Abb. 2
Voll erblühte Exemplare der typisch dunklen Variante des Lechs südl. v. Augsburg. Markant sind neben der dunklen Blütenfärbung die braun-rot überlaufenen Stängelblätter.
24.07.2010

Foto: Herbert Hoffmann

Abb. 3
Die Gesellschaft der Sumpf-Ständelwurz lässt auf einen eher frischen bis moorigen Untergrund schließen, Untere Alz, 23.06.2012
Foto: Gerhard Bade

Verwechslung:
Ähnliche Blüten besitzen die Arten der Gattung Gymnadenia. Jedoch sind die Blütenstände länger und schlanker, die Blüten meist etwas blasser gefärbt sowie stets ohne "Führungsleisten" an der Lippenbasis.


Abb. 4
Dunkle Variante des Lechs,
07.07.2010
Foto: Herbert Hoffmann


Abb. 5
Klassisch gefärbte Variante aus Unterfranken, Karlstadt, 14.06.2010
Foto: Wolf-Achim Roland

Abb. 6
Gut erkennbar die aufrecht stehenden Leisten an der Lippenbasis, Lech, 27.06.2010
Foto: Uwe Grabner

Lebensraum
Anacamptis pyramidalis bevorzugt in der Regel Trockenheit und Wärme. Ihren Lebensraum bilden in Bayern vorrangig die kalkreichen Halbtrockenrasen (Mesobrometum) der großen Flußtäler sowie sonnige, südexponierte buschige Hänge.
An gewässernahen Stellen, wo der Grundwasserspiegel dicht unter dem Kiesschotter liegt, können die Biotope zum Teil bereits Niedermoor-Charakter besitzen.
Die wenigen Biotope sind meist sehr artenreich in jeder Hinsicht und überaus schutzwürdig.


Abb. 7
Typischer Standort von Anacamptis pyramidalis auf einer Flußbrenne am Lech südl.von Augsburg, 23.06.2011
Foto: U. Grabner

Abb. 8
Blütenstände,
Flußbrenne am Lech südl.von Augsburg, 23.06.2011
Foto: U. Grabner

Abb. 9
"Albino" - in Mitteleuropa selten, im Mittelmeergebiet häufiger
19.06.2008
Foto: Gerhard Bade


Abb. 10
Frischer, gewässernaher Biotop an der Unteren Alz,
23.06.2012
Foto: Gerhard Bade

Verbreitung
Europa, im Norden bis Skandinavien, im Süden bis Nordafrika, im Westen von der Iberischen Halbinsel bis West- und Südwest-Russland, Kleinasien und Iran.
Mittlerweile wurden einige Sippen als Varietäten, oder Unterarten beschrieben, sodass eine genaue Beurteilung des Verbreitungsgebietes der subsp. pyramidalis noch aussteht.

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung in Bayern / Gefährdung
Anacamptis pyramidalis ist in Bayern sehr selten und gefährdet.
Wie oben bereits erwähnt, hat diese Art ihre Verbreitungsschwerpunkte auf den klimatisch begünstigten Brennen entlang der bayerischen Flüsse.
In den kälteren Regionen des Alpenvorlandes, den nördlichen Kalkalpen und höheren Regionen der Mittelgebirge fehlt die Art völlig.
Die Höhengrenze liegt bei 550 m.

In den letzten Jahren gab es Einzelfunde dieser Art, wie z.B. in der Fränkischen Schweiz. Ob diese auf natürliche Weise, oder mit menschlicher Hilfe entstanden sind, lässt sich nicht nachvollziehen. Ob solche Kleinpopulationen stabil bleiben, oder sich sogar vergrößern, werden die kommenden Jahre zeigen.

Ihre Biotope bedürfen der regelmäßigen jährlichen Mahd im September, um die alte extensive Nutzung dieser Flächen beizubehalten.



Abb. 11
Ein Schachbrettfalter (Melanargia galathea) als Blütenbesucher, der auch als Bestäuber in Frage kommt, Untere Alz, 19.06.2008
Foto: Gerhard Bade

Abb. 12
Das Thymian-Widderchen (Zygaena purpuralis) ist in den Heidegebieten des Lechs öfter als aktiver Bestäuber anzutreffen. Hier mit Pollinien am Rüssel.
16.06.2011
Foto: Herbert Hoffmann

Abb. 13
Lechheide südlich v. Augsburg, 23.06.2012
Foto: Uwe Grabner
Uwe Grabner
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