Schwertblättriges Waldvögelein
Cephalanthera longifolia
(L.) FRITSCH


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Neottieae
Subtribus: -
Blütezeit: M 5 - M 6

Beschreibung
Nicht selten trifft man dieses attraktive Pflanze in kleinen Gruppen an.
Besonders schön leuchten die reinweißen Blüten in der Sonne, so dass man sie kaum übersehen kann.
Wie der Name schon andeutet, besitzt diese Art lange, schmal- lanzettliche bis linealische, rinnig gefaltete und zugespitzte Laubblätter, die am Stängel zweizeilig angeordnet sind und schräg nach oben stehen.
Der Blütenstand erscheint durch die lang gedrehten Fruchtknoten locker.
Da die Pflanze auf Bestäuber angewiesen ist, sind die Blüten zur Hochblüte zwar nicht weit, so doch fast alle geöffnet.
An der Lippenspitze befindet sich ein auffälliger, eidotter-gelber Fleck mit 3 - 4 orange-gelben Längsleisten im hinteren Bereich.
Bei zu starker Beschattung kann es sein, dass sie sehr wenigblütig oder gar steril ist.
Cephalanthera longifolia ist das erste blühende Waldvöglein. Es beginnt ca. 1 - 2 Wochen vor dem Bleichen Waldvöglein von Mitte Mai bis Mitte (Ende) Juni zu blühen.

- Habitus - Bayrischzell - 13.05.2007
Foto: U. Grabner

Verwechslung:
Ähnlich ist das Bleiche Waldvöglein, was aber elfenbein-farbige, nach oben gerichtete und meist geschlossenen Blüten besitzt.
Desweiteren sind die Blätter des Bleichen Waldvögleins eiförmig lanzettlich, wesentlich kürzer und ausgebreitet.
Sehr selten treten auch weißblütige Pflanzen des Roten Waldvögleins auf. Dieses blüht aber erst ab Mitte Juni, besitzt weniger Laubblätter, die zwar schmal, aber kaum rinnig gefaltet sind, sowie eine spitz zulaufende Lippe mit gelben Längsleisten.

- Einzelblüte - Bayrischzell - 28.05.2005
Foto: U. Grabner
Lebensraum
Auf den ersten Blick scheint es weniger anspruchsvoll als das Bleiche Waldvöglein zu sein.
Es teilt mit ihm oft den Biotop der Kalkbuchenwälder, kommt aber auch in buschig besetzten Magerrasen, oder in wiesigen Bereichen lichter Kiefernwälder, oder Eichenwälder vor.
Sie ist eine Halbschattenpflanze und benötigt genügend Licht.
An den Boden stellt sie mineralisch gesehen weniger Ansprüche, bevorzugt aber doch basenreichen, trockenen bis wechselfeuchten Untergrund. Sie ist kälteunempfindlicher, kommt somit auch in wesentlich höheren Lagen der Alpen (1300 - 1700m) vor.
Sensibel reagiert sie gegenüber Verfilzung des Bodens. Ist die Decke nicht verrotteter Biomasse zu dicht, "ersticken" die austreibenden Sproße förmlich und die ohnehin relativ wenigen Samen haben bei dichter Filzdecke keine Möglichkeit, in den Boden einzudringen. Auf lange Sicht verschwindet dann die Art.

Verbreitung
Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über Südeuropa bis Südwest Norwegen im Norden. Ostwärts erreicht sie das Kaspische Meer.

Verbreitung in Bayern/ Gefährdung (RL 3)
Obwohl die Lebensräume vielfältiger als bei den anderen zwei bayerischen Waldvöglein sind, ist es doch das mit Abstand seltenste der drei Arten.
Größere Bestände gibt es in Bayern nur im Voralpenland und den Alpen. Außerhalb der Alpen gibt es sie etwas öfter im Gebiet der Fränkische Alb und den Mainfränkischen Platten.
Eine akute Gefährdung dieser Art ist in Bayern derzeit nicht erkennbar.
Lokal jedoch können Vorkommen durch forstwirtschaftliche Maßnahmen, Verfilzung der Biomasse und zu starke Verbuschung erlöschen.
Funde dieser Art, vor allem außerhalb der Alpen, sollten an die zuständigen Kartierungsstellen gemeldet werden.
Uwe Grabner
© AHO-Bayern e.V.
- der Biotop eine Bergwiese am Waldrand bei Bayrischzell - 28.05.2005
Foto: U. Grabner
Literatur:
  • AHO-Bayern e.V. (2005) Orchideen in Bayern

  • FINKE, L. (1991) Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. 8 (2): 62-70; 1991.
    Die Gattung Waldvöglein (Cephalanthera) in Ostthüringen

  • KATTARI, S.G. (2004) DIE ORCHIDEE 55 (6); [030-031], 2004
    Orchideen zwischen Chiemsee und Kaisergebirge

  • PRESSER, H. (2000) Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen. Variabilität, Biotope, Gefährdung. -2. völlig überarb. und erw. Aufl., Landsberg / Lech: 264-265

  • WOLF, C. (2000) Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. Beih. 5: 45-73; 2000 Jubiläumsschrift der 25-Jahr-Feier des AHO Bayern e.V.
    Lebensräume der Orchideen in den Waldgebieten Bayerns
Verbreitungskarte im PDF- Format
Zurück
© 2012 AHO Bayern e. V.