Zwergorchis
Chamorchis alpina
(L.) L.C.M RICHARD (1817)



Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: A 7 - M 8
Etymologie:
"Chamorchis“ abgeleitet vom griechischen
chamai (= niedrig, auf der Erde) und orchis
(= Hoden, Knolle) bezugnehmend auf den niedrigen Wuchs
"alpina" weist auf die alpinen Lebensräume hin

Nebelhorn, 12.07.2003
Foto: U. Grabner
Beschreibung
Die Zwergorchis ist ein echter Winzling und "Extremist" unter unseren heimischen Orchideen und der einzige Vertreter ihrer Gattung.
Mit einer Wuchshöhe von 5 - 10 (15) cm ist sie neben dem Kleinen Zweiblatt (Listera cordata) unsere kleinste Orchidee, besiedelt aber ausschließlich alpine, hoch gelegene Biotope.
Ihr Erscheinungsbild ist zudem sehr unscheinbar. Die schmalen, grasartigen Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet und erreichen, bzw. überragen den Blütenstand.
Bei flüchtigem Hinsehen erinnert die Pflanze eher an ein kleines, kräftiges Grasbüschel mit etwas dicken, fleischigen Blättern.
Dieser Eindruck wird noch durch öfter auftretende Grüppchenbildung (vegetative Vermehrung) verstärkt.
Der kräftige, kantige Stängel ist unbeblättert und trägt einen schmalen, mitteldichten Blütenstand - bestehend aus 5 - 15 kleinen grün-bräunlich-gelben winzigen Blüten.
Auch diese sind nicht gerade um Auffälligkeit bemüht.
Die grün-gelbliche, zungenförmige und nicht, oder nur schwach geteilte Lippe liegt bei den allermeisten Blüten am Fruchknoten an, die Perigonblätter sind zu einem geschlossenen Helm zusammengeneigt. Dieser ist außen, wie auch der kräftige Fruchtknoten, oft etwas bräunlich gefärbt.
Die kleine, aber doch bewundernswerte Orchidee zwingt einen im wahrsten Sinne in die Knie, will man die spornlosen Blüten eingehender betrachten.

Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen
Verwechslung
In Frage kommen zum einen Coeloglossum viride, die aber breitere und stängelbegleitende Blätter und eine dreilappige Lippe besitzt, zum anderen Pseudorchis albida, mit ebenfalls stängelbegleitenden und breiteren Blättern sowie gelblich weißen, dreizipfeligen Blüten.

Allgäu, Prinz Luitpoldhaus, 25.06.2011
Foto: Dieter Gschwend
Besonderheiten
Zum Anlocken der Bestäuber sondern die Blüten eine kleine Menge Nektar ab, der als glänzendes Rinnsal in einer flachen Rinne auf der Längsachse der Lippe "dargeboten" wird.
Trotz der extremen Standorte leisten offenbar Ameisen und ab und an beobachtete Schlupfwespen "ganze Arbeit". Der Fruchtansatz ist bei Chamorchis alpina überdurchschnittlich hoch (bis zu 75%).
Selbstbestäubung ist aufgrund der räumlichen Trennung von Pollinien und Narbe eher unwahrscheinlich.
Zusätzlich kann sich die Zwergorchis über Wurzelausläufer vegetativ vermehren, was sich an den öfter zu beobachtenden Grüppchen bemerkbar macht.
Blütezeit:
Je nach Höhenlage von Anfang Juli bis Mitte August, in etwa zeitglich mit Vertretern der Gattung Nigritella, wenn sie gemeinsam mit der Zwergorchis im Biotop vorkommen.

Hochplatte, 28.06.2003
Foto: U. Grabner

Nebelhorn, 12.07.2003
Foto: U.Grabner

Hochplatte, 28.06.2003
Foto: U. Grabner
© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format
Verbreitung
Die kälteliebende Art kommt in den skandinavischen Gebirgen, östlich bis zur russischen Halbinsel Kola vor. In Zentraleuropa erobert sie die kalten, kalkgründigen Lagen der Alpen, Karpaten, Hohen Tatra und Balkangebirge oberhalb der Baumgrenze.
Im skandinavischen Verbreitungsareal liegt die Höhenverbreitung
zwischen 0 - 1500/1600 m, im zentralen Europa zwischen 1600- 2700 m.

Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen

Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen
Lebensraum und Verbreitung in Bayern :
Sie steht vollsonnig in den alpinen Hochlagen oberhalb der Krummholz-Zone zwischen 1600 und 2300 m, von den Allgäuer- bis Berchtesgadener Alpen.
Die kalkliebende Art wächst meist in Polsterseggenrasen, oft in unmittelbarer Gesellschaft der Silberwurz (Dryas octopetala), an windexponierten Felsvorsprüngen oder Felsgraten sowie steinigen, kurzrasigen und flachgründigen Magerrasen.
In den moderateren Höhen kann man die recht seltene und leicht zu übersehende Art gemeinsam mit diversen Nigritella-, Gymnadenia- Arten, Hößwurz und Kugelorchis finden.

Gefährdung:
Aufgrund der zumeist extremen Standorte zwar selten, aber nicht sonderlich gefährdet.


Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen

Hochplatte, 28.06.2003
Foto: U. Grabner

Rote Flüh (A)
Foto: V. Dümichen

Lebensraum der Zwergorchis, Allgäu, Nebelhorn 12.07.2003
Foto: U.Grabner

Text:
Uwe Grabner

Bildautoren:
Volker Dümichen
Uwe Grabner

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