Fuchs' Knabenkraut
Dactylorhiza fuchsii
(DRUCE) S(1962)


Bas.: Orchis fuchsii DRUCE, Bot. Exch. Club Soc. Brit. Isles Rep. 1914, 4 (1): 105 (1915)

Lectotypus:

Herbar DRUCE (OXF) Nr. 2327 (2), planta media No. 3, leg. G. C. DRUCE.
Herkunft: England, Challow Berks, June 1895 (VERMEULEN 1947: 147 mit Abbildung des Lectotypus auf Tafel V, 1, Pflanze Nr. 3)

Etymologie:

Der Artname  fuchsii bezieht sich auf Leonhart Fuchs (1501-1566), der in seinem weltberühmten Kräuterbuch „De Historia stirpium“ ein gutes Bild dieser Art veröffentlichte.
Die dunkelgrünen Laubblätter, die auf der Oberseite mit tief purpurroten, oft fast schwärzlichen Flecken übersät sind, waren für den Volksmund Anlass, der Pflanze den Namen "Marienträne'' zu geben; denn man glaubte, dass die dunklen Flecken von den Tränen Marias um ihren Sohn herrühren.


Abb. 1
Blütenstände,
Elsenberg, 16.06.2010

Foto: A. Riechelmann
Beschreibung

Schlanke, mittelgroße, meist zierliche Pflanze, 20 - 80 cm hoch, Stängel aufrecht, kantig und dünn, im oberen Teil meist purpurn überlaufen. Untere Laubblätter breit-lanzettlich (das unterste auffallend kurz und stumpf); die oberen schmal-lanzettlich, schräg bis steil aufwärts gerichtet, zugespitzt, stark gefleckt. Blütenstand zylindrisch bis verlängert, dicht- und vielblütig. Tragblätter lanzettlich, kürzer als die Blüten, zuge­spitzt, grün, oft purpurn überlaufen und länger als der Fruchtknoten. Blüten mittelgroß, schräg abstehend, weißlich bis rosa. Sepalen eiförmig-lanzettlich bis lanzettlich, die beiden seitlichen abstehend, das mittlere vorn übergeneigt. Petalen lanzettlich, mit dem mittleren Sepal zusammenneigend. Lippe hellrosa bis weißlich, tief dreilappig mit großem, die Seitenlappen überragenden Mittellappen. Lippenzeichnung aus kräftiger, purpurroter Schleifenzeichnung bestehend. Sporn ziemlich dick, konisch, waagerecht, etwa zwei Drittel so lang wie der Fruchtknoten.

Abb. 2
Habitus,
Elsenberg, 09.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Verwechslungen: kaum möglich, da die nah verwandte Art Dactylorhiza maculata in Bayern nicht vorkommt

Hauptblütezeit: Anfang Juni bis Mitte Juli.

Lebensräume: Feuchte und lichte Stellen in Wäldern, Gebüschen, Wiesen und Mooren. Häufig an Wegrändern und Böschungen auf frischen bis mäßig feuchten, kalkhaltigen, lehmigen Böden, ohne saure Böden zu meiden. Die Art ist in Bezug auf Licht, Feuchtigkeit und Bodenreaktion (pH-Wert) sehr anpassungsfähig.

Manche Orchideenarten besiedeln bevorzugt Sekundärbiotope, auf denen sie gelegentlich eine – wenn auch nur vorübergehende – Massenentfaltung erleben. Mit fortschreitender Sukzession ihres Fundortes verschwinden sie aber meist innerhalb weniger Jahre oder Jahrzehnte. Zu diesen Arten gehört auch das Fuchs-Knabenkraut. Die schnelle Besiedlung von geeigneten neuen Standorten ist gerade für diese Art sehr charakteristisch. Wahrscheinlich wird sie durch die Fernübertragung der sehr leichten Samen durch den Wind ermöglicht.

Abb. 3
Biotop (Feuchtwiese),
Elsenberg, 16.06.2010
Foto: A. Riechelmann

Abb. 4
Einzelblüten,
Elsenberg, 16.06.2010
Foto: A. Riechelmann

Abb. 5
Durch Pferdekoppel zerstörtes Biotop,
Elsenberg, 30.05.2011
Foto: A. Riechelmann

Abb. 6
Einzelblüten (helle Variante),
Pinzberg, 08.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Abb. 7
Blütenstand mit vorjährigem Fruchtstand,
Elsenberg, 09.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Abb. 8
gepunktete Blätter,
Pinzberg, 16.06.2011
Foto: A. Riechelmann
© AHO-Bayern e.V.

Verbreitung in Bayern:
Vor allem in den Alpen, im Alpenvorland, in der Frankenalb und der bayerischen Rhön.

Gefährdung: Als ausgesprochener Sukzessionsfolger besiedelt die Art rasch neu entstandene Biotope wie Schlagflächen, Straßen- und Wegränder und baut lokal nicht selten große Populationen auf, die aber gelegentlich auch nicht von langer Dauer sind. Deshalb ist vor allem die schonende Behandlung von Wegrändern sinnvoll. Da sie ausgesprochen tolerant in ihren Ansprüchen hinsichtlich des Untergrundes ist, kann sie auch Gebiete erobern, die anderen Arten verschlossen bleiben. Deshalb besteht für das Fuchs-Knabenkraut in Bayern kaum eine Gefährdung.

Verbreitungskarte im PDF- Format

Abb. 9
Biotop: feuchter Graben am Wegrand,
Pautzfeld, 16.06.2012
Foto: A. Riechelmann

Abb. 10
Biotop: Wegesrand im Bergwald der bayerischen Kalkalpen,
Lenggries, 23.06.2012
Foto: U. Grabner

Abb. 11
Biotop: schattiger Buchenwald im Voralpenland,
Söcking bei Starnberg, 21.06.2012
Foto: U. Grabner

Abb. 12
Biotop: Bergwiese im montanen Bereich der Alpen,
Lenggries, 26.06.2010
Foto: U. Grabner

Abb. 13
Habitus,
Pinzberg, 08.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Abb. 14
Exemplar im schattigen Buchenwald,
Söcking bei Starnberg, 21.06.2012
Foto: U. Grabner

Abb. 15
Blütenstände,
Pautzfeld, 16.06.2012
Foto: A. Riechelmann

Abb. 16
Blütenstand,
Elsenberg, 31.05.2007
Foto: A. Riechelmann

Abb. 17
Blütenstand,
Elsenberg, 31.05.2007
Foto: A. Riechelmann

Abb. 18
Exemplar mit weit vorgezogenem Mittellappen,
Pflegersee bei Garmisch, 03.07.2004
Foto: V. Dümichen

Abb. 19
Blütenstände,
Elsenberg, 09.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Abb. 20
Blütenstand,
Pautzfeld, 15.06.2012
Foto: A. Riechelmann

Abb. 21
Blütenstand,
Söcking bei Starnberg, 12.07.2009
Foto: U. Grabner

Abb. 22
Blütenstand,
Pautzfeld, 15.06.2012
Foto: A. Riechelmann

Abb. 23
Stark überfärbte Blüten,
Hohe Lüß bei Aidling, 10.06.2008
Foto: V. Dümichen

Abb. 24
Blütenstand,
Pflegersee bei Garmisch, 04.07.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 25
Blütenstand,
Pflegersee bei Garmisch, 04.07.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 26
sehr heller Blütenstand,
Pflegersee bei Garmisch, 04.07.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 27
Enzelblüten,
Pflegersee bei Garmisch, 03.07.2004
Foto: V. Dümichen

Abb. 28
Blütenstand,
Pupplinger Au bei Wolfratshausen, 23.06.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 29
Blütenstand,
Pupplinger Au bei Wolfratshausen, 23.06.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 30
Blütenstand,
Grasleiten, 20.06.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 31
Bestäuber (Bombus lucorum)
Eibsee, 12.07.2009
Foto: U. Grabner

Abb. 32
Als Bestäuber fungieren oftmals Hummeln, hier das Männchen der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum)
Eibsee, 12.07.2009
Foto: U. Grabner

Abb. 33
Blütenstand,
Pflegersee bei Garmisch, 04.07.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 34
Blütenstandsausschnitt,
Pflegersee bei Garmisch, 08.06.2007
Foto: V. Dümichen

Abb. 35
Fruchtstand,
Pinzberg, 26.07.2011
Foto: A. Riechelmann

Abb. 36
Blütenstandsausschnitt,
Pflegersee bei Garmisch, 04.07.2005
Foto: V. Dümichen

Abb. 37
Einzelblüte,
Elsenberg, 09.06.2008
Foto: A. Riechelmann

Abb. 38
Einzelblüte,
Pautzfeld, 17.06.2012
Foto: A. Riechelmann

Abb. 39
Einzelblüten,
Grasleiten, 24.06.2004
Foto: V. Dümichen

Abb. 40
Einzelblüten,
Habach, 30.06.2004
Foto: V. Dümichen
Adolf Riechelmann

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