Fleischrotes Knabenkraut (Unterart)

Dactylorhiza incarnata (L.) S
ssp. hyphaematodes (NEUM.)VERM.


Blütezeit: E 5 - M 6
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Diese seltene Unterart des Fleischroten Knabenkrautes - Dactylorhiza incarnata (L.) Soó - tritt in Bayern nur sporadisch auf.
Verbreitungsschwerpunkte sind im Ampertal sowie in den Mündungsgebieten von Isar und Lech. Daneben finden sich noch kleinere Populationen in den Alpen und im Voralpenland.
Die Gesamtzahl an Individuen wird nach Erhebungen der Jahre 1997/98 auf 1000 bis 1500 Exemplare geschätzt. In der Neubearbeitung der Roten Liste der Gefäßpflanzen Bayerns (erscheint voraussichtlich Ende 2001) wurde dieser Tatsache Rechnung getragen und eine Einstufung in Gefährdungsgrad 1 (= vom Aussterben bedroht) vorgenommen. Bisher wurde diese Unterart zusammen mit der Nominatform nur in Gefährdungsgrad 3 (= gefährdet) geführt.
Gute Standorte dieser Unterart sind mit 200 bis 300 Exemplaren bestückt, an den meisten anderen Fundorten sind es deutlich weniger. In den letzten Jahren trat hauptsächlich durch Verbrachung ein weiterer Rückgang ein.

In der Literatur wird für Bayern fälschlicherweise das Blutrote Knabenkraut - Dactylorhiza cruenta (O.F.Müller) Soó angegeben - es handelt sich hierbei ausschließlich um Verwechslungen mit ssp. hyphaermatodes. Während Dactylorhiza cruenta eine Art der höheren Regionen ab ca. 1700 m NN ist, tritt ssp. hyphaematodes bevorzugt im Flachland auf. Außerdem wurde D. cruenta trotz intensiver Suche bisher nicht in den Bayerischen Alpen nachgewiesen und dürfte somit hier fehlen.
Grund für die Verwechslung ist das Vorhandensein der beidseitigen Fleckung der Blätter - Dactylorhiza cruenta hat jedoch fast waagrecht abstehende und wesentlich kürzere Blätter.

- Habitus - Dachau - 20.05.2007
Foto: U. Grabner

Beschreibung:

Die Pflanzen sind im Habitus mit der Nominatforn Dactylorhiza incarnata weitgehend identisch und haben wie diese die charakteristischen, eng am Stengel anliegenden Blätter, die an der Spitze kapuzenförmig ausgezogen sind und in der Regel den Blütenstand erreichen bzw. überragen. Die Blüten sind wie bei Dactylorhiza incarnata klein (Lippe 4,5 bis 8 mm lang), die Lippe ungeteilt bzw. seicht dreilappig, die Lippenzeichnung schleifenförmig "wie mit einer feinen Feder gezeichnet" (W. Wucherpfennig). Das charakteristische Merkmal der ssp. hyphaematodes sind die beidseitig gefleckten Blätter - im Extremfall sind die Blätter beidseits tiefpurpurn überlaufen.

- Blütenstandsauschnitt - Dachau - 20.05.2007
Foto: U. Grabner

Standort

Wie Dactylorhiza incarnata auf nassen Streuwiesen. Oft in Einzelexemplaren zusammen mit der Nominatform auftretend - an manchen Standorten - insbesondere im Ampertal aber die vorherrschende Erscheinungsform.

Hypothese

Die ssp. hyphaematodes ist als postglaziales Relikt von Dactylorhiza cruenta aufzufassen. Die vermutlich nacheiszeitlich auch im Flachland verbreitete D. cruenta (wie heute noch in Skandinavien zu beobachten) wurde von der "Tieflandform" Dactylorhiza incarnata durch Einkreuzung "aufgesogen" und hat an wenigen Reliktstandorten überlebt.

Schutz

Regelmäßige Mahd der Standorte im Spätsommer oder Herbst; keine Drainage und Düngung der Flächen. Wenn möglich Sicherung der Standorte durch Kauf oder Pacht.

Dr. Michael Baborka

- Habitus - Dachau - 20.05.2007
Foto: U. Grabner
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- Biotop - Dachau - 20.05.2007
Foto: U. Grabner
Verbreitungskarte im PDF- Format
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