Lappländisches Knabenkraut

Dactylorhiza lapponica (LAEST ex RCHB. fil.) S


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Das aus Skandinavien bekannte Lappländische Knabenkraut wurde im Alpenraum lange übersehen (bzw. war in Vergessenheit geraten) und wohl überwiegend mit ähnlichen Fingerwurzarten verwechselt. Der Erstnachweis in Bayern erfolgte im Jahr 1987.

Beschreibung:

Das Lappländische Knabenkraut weist eine recht große Ähnlichkeit vor allem mit Traunsteiners Knabenkraut (Dactylorhiza traunsteineri) und zierlichen Exemplaren des Breitblättrigen Knabenkrautes (Dactylorhiza majalis) auf.

Seine Wuchshöhe beträgt 10 - 25 cm. Damit sind die Pflanzen meist kleinwüchsiger als D. traunsteineri bzw. D. majalis. Der Stengeldurchmesser beträgt 2 bis 3 mm und ist somit geringer als bei D. majalis. Der Stengel weist im oberen Bereich oft eine violette Färbung auf.

Die meist nur 3 bis 4 Laubblätter sind am Stengel verteilt, meist gefleckt und eilanzettlich, 3 - 8 cm lang und 0,6 bis 2 cm breit. D. traunsteineri hat dagegen schmale, lanzettliche Blätter. Die Blätter von D. majalis sind meist breiter und länger.

Die Blütezeit reicht je nach Höhenlage von Mitte Mai bis Mitte Juli. Der meist einseitswendige Blütenstand ist mit 5 bis 15 Blüten armblütiger als die Blütenstände der beiden anderen Arten. Die Tragblätter sind etwa so lang wie die Blüten. Die Blüten sind kleiner als diejenigen von D. majalis und D. traunsteineri.

Bei der Bestimmung sollten unbedingt mehrere Pflanzen der jeweiligen Population untersucht werden. Manchmal treten Mischpopulationen auf, die keiner der Arten eindeutig zugeordnet werden können (z. B. "Dactylorhiza lapposteineri" im oberen Isartal).


Foto: R. Timm
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Verbreitung

Dactylorhiza lapponica ist im gesamten bayerischen Alpenraum und in den nördlich angrenzenden Feuchtgebieten zwischen Allgäu und Berchtesgaden in meist kleinen Beständen weit verbreitet. Die Höhenverbreitung liegt in Bayern zwischen etwa 600 und 1620m.

Lebensraum

Das Lappländische Knabenkraut ist kalkliebend und besiedelt sickernasse Kalkgrusflächen, Hangquellmoore und Niedermoorflächen. Besonders charakteristische Bestände finden sich vor allem in den feuchten Kalkgrusgebieten der bayerischen Alpen, in denen sich die konkurrenzschwache Art als einzige Dactylorhiza- Sippe behaupten kann. Auf den Streuwiesen im Alpenvorland ist das Lappländische Knabenkraut aufgrund der Hybridisierung sowie ähnlicher Einzelexemplare anderer Arten oft nur schwer ansprechbar.

Gefährdung

Die Art ist außerhalb der Alpen vor allem durch die Vernichtung von Feuchtgebiete aufgrund von Düngung und Trockenlegung gefährdet. In den Alpen kann die Intensivierung der Almbewirtschaftung zur Zerstörung der Moorflächen führen. Sowohl auf der deutschen als auch der bayerischen Roten Liste wird das Lappländische Knabenkraut mit dem Gefährdungsgrad 2 geführt.

Literatur:

    Kalteisen, Reinhard (1986):
    Orchideen im zentralen italienischen Südalpenraum. Mitt. Bl. Arbeitskr. Heim. Orch. Baden-Württ. 18 (1): 1 - 136
    Müller, Gößmann, Wucherpfennig (1992):
    Verbreitungsübersicht der heimischen Orchideen in Bayern. Ber. Heim. Orch. Beiheft 3
    Redl (1996):
    Wildwachsende Orchideen in Österreich - faszinierend und schützenswert -. Altenmarkt, 1996
    Reinhard (1985):
    Skandinavische und alpine Dactylorhiza-Arten (Orchidaceae). Mitt. Bl. Arbeitskr. Heim. Orch. Baden-Württ. 17 (3): 321 - 416
    Wucherpfennig, Gallerach (1988):
    Ein Vorkommen von Dactylorhiza lapponica (Laest. ex. Rchb. f.) SOO in Deutschland. Ber. Arbeitskr. Heim. Orch. 5 (1/2): 100-109.

Wolfgang Höll


Foto: R. Timm
- Kalkreiches Hangquellmoor als typischer Biotop. Dactylorhiza majalis ist lang schon verblüht, D. lapponica ist außer D. fuchsii im Randbereich die einzige noch blühende Dactylorhiza. - Weyarn - 28.06.2009
Foto: U. Grabner
- Der Sporn ist an der Basis relativ dick, ist kaum gebogen oder meist gerade, konisch und endet stumpf. - Spitzingsee - 26.06.2006
Foto: U. Grabner
- knospiges Exemplar mit typischen Blättern - Spitzingsee - 26.06.2006
Foto: U. Grabner
- Habitus - Spitzingsee - 26.06.2006
Foto: U. Grabner
- Die Blütenstände sind in der Regel für die Gattung Dactylorhiza eher armblütig und meist deutlich einseitwendig - Spitzingsee - 26.06.2006
Foto: U. Grabner
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Spitzingsee - 26.06.2006
Foto: U. Grabner
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