Breitblättrige Ständelwurz
Epipactis helleborine
(L.) CRANTZ (1769) ssp. helleborine


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Neottieae
Subtribus: -

Veröffentlicht in:
Stirp. austr. fasc.ed.2, 2(6): 467. 1769. typ. cons.

Typus:

Typisierung steht noch aus, da die bisherigen Bemühungen nicht den Regeln entsprachen.

Basionym:
Serapias helleborine L. Sp. pl. 2: 949. 1753

Synonyme:
Serapias helleborine var. latifolia L. (1753) nom. illeg.
Epipactis latifolia ALLIONI (1785) nom. illeg.
Helleborine latifolia MOENCH (1802)

Etymologie:
Gr. helleboros: Bei Theophrast (Theophrastus) der Name für Germer (Veratrum) oder diesem ähnliche Pflanzen, deren Blätter denjenigen unserer Epipactis helleborine gleichen. Lat. latus: breit; lat. folium:
Blatt; (latifolia, latifolius: breitblättrig) (lat. viridans: grün seiend / grün werdend). Quelle: Mitteilungsheft der Arbeitsgruppe
Einheimische Orchideen Aargau (1) 2010


Habitus - Rettern, 18.07.2010
Foto: A. Riechelmann

Blütenstandsausschnitt -Ebermannstadt, 14.07.2007
Foto: A. Riechelmann
Beschreibung

Stängel rundlich, unten kahl, ab dem obersten Schuppenblatt grün, oben fein behaart. Pflanzen (20) 30-80 (115) cm hoch; Laub­blätter (4) 6-12, meist mehr im unteren Bereich ver­teilt, stark geadert, hell- bis mittelgrün, breit­rundlich bis breit-eiförmig, etwa wie zwei Inter­nodien lang, in der Regel zugespitzt, nach oben kleiner werdend, die obersten tragblattartig. Blattstellung wechselständig, Blätter horizontal abste­hend bis etwas abwärts gerichtet. Der Blütenstand ist voll entwickelt bis 35 cm lang, ± einseitswendig mit zahlreichen Blüten (6-70). Tragblätter abstehend, die untersten die Blüten weit überragend. Frucht­knoten samt Stiel nur schwach behaart, letzterer oft schmutzig violettrosa angehaucht. Verkehrt eiför­mige Samenkapseln bei fruchtender Pflanze außen meist mit vertrockneten Blütenresten. Blüten mittelgross (bis 1.8 cm), Grundfarbe meist grünlich, oft braunrot bis violett-purpur überlaufen, im Knospenzustand nickend. Blütenblätter ± eiförmig, nach außen spitz auslaufend, mehrheitlich weit ab­stehend, seltener etwas glockig zusammenneigend. Hypochil innen olivgrün bis braunschwarz, napfförmig, Nektar führend, außen meist weißlich, seltener grün oder hellrosa. Epichil weißlich, oft rosa oder partiell purpurviolett über­laufen (dann meist zusammen mit den Petalen), herzförmig, so breit wie lang, mit grünlich bis rosaviolettfarbigen Kalli. Übergang Hypochil-Epichil relativ breit, Rostelldrüse gut entwickelt, Pollenpakete ziemlich kompakt.

Hauptblütezeit:

Anfang Juli bis Mitte August

Verwechslung:
Mit Epipactis muelleri, diese Art besitzt aber blasse, mehr hängende Blüten ohne Klebdrüse und schmalere, gebogene Blätter mit gewelltem Rand. Auf die Unterschiede zu Epipactis helleborine subsp. moratoria wird bei diesem Artenportrait hingewiesen.



Rettern, 21.07.2010
Foto: A. Riechelmann

Martinsried, 04.08.2005
Foto: V. Dümichen


Martinsried, 06.08.2004
neben Hummeln sind vor allem Wespen die häufigsten Bestäuber
-
Foto: V. Dümichen

Lebensraum

In nicht zu dunklen Nadel-, Laubmisch- oder an­deren Mischwäldern, auf Waldwiesen, gerne im Be­reich von Wald- und Waldwegrändern, seltener auf Magerwiesen in Waldnähe oder in der Nähe von Hecken und Waldsäumen, gern über kalkhaltigem Untergrund, kommt aber auch in Gebieten mit Silikatgestein vor.


Habitus - Tutzing, 14.08.2004
Standort: Wegesrand in jungem Mischwald
Foto: U. Grabner

Habitus - Wolfratshausen, 21.07.2007
Standort: sonnendurchflutete Wacholder-heide
Foto: U. Grabner

Habitus - Allmannshausen, 21.07.2007
Standort: Wegesrand im Buchenwald
Foto: U. Grabner
Verbreitung:
Brit. Inseln, Süd-, Mittel-, Ost- und Nordeuropa; Naher und Mittlerer Osten bis Mittelasien (Pakistan, Himalaya) sowie vom Kaukasus bis zum Baikalsee und nord­wärts bis Zentralsibirien. In Nordamerika eingeschleppt und eingebürgert.
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Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung in Bayern
In den Kalk-Regionen Bayerns sehr häufig, aller­dings zwischen Donau und Inn und im Bayerischen Wald selten oder fehlend. Besiedelt auch Sekundärstandorte.

Gefährdung:
Relativ gering, ist Epipactis helleborine doch eine unserer häufigsten Orchideen mit guter Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Wuchsbedingungen. Zu frühes Mähen der Waldwegränder oder Düngereintrag bis in den Waldsaum hinein stellen eine potenzielle Gefahr dar.


Martinsried, 06.08.2004
Foto: V. Dümichen

Martinsried, 28.07.2005
Foto: V. Dümichen

Ausschnitt Blütenstand, Reuth, 22.07.2009
Foto: A. Riechelmann

Pinzberg, 27.07.2005
Foto: A. Riechelmann

Gegend bei Bärnreuth, Fichtelgebirge, 23.07.2009, saurer Untergrund über Granit
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 28.07.2009
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 28.07.2009
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 28.07.2009
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 27.07.2010
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 22.07.2009
Foto: F. Fraaß

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 22.07.2009
Foto: F. Fraaß

Allmannshausen, 20.07.2007
Foto: U. Grabner

Bärnreuth, Fichtelgebirge, 19.07.2010
Foto: F. Fraaß

Allmannshausen, 20.07.2007
Foto: U. Grabner

Adolf Riechelmann

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