Kleinblättrige Ständelwurz
Epipactis microphylla
(ERHARDT) SWARTZ (1800)


Unterfamilie: Epidendrioideae
Tribus: Neottieae
Subtribus: -
Blütezeit: M 6 - M 7
Beschreibung

10-50 cm hohe Pflanze mit 2-6 graugrünen, schmalen und kurzen Blättern (Name !). Diese erreichen meist nur eine Länge von 2-5 cm.
Der lockere Blütenstand ist zumeist wenigblütig. Die gerne etwas hängenden recht kleinen Blüten sind grünlich, manchmal etwas rötlich überlaufen. Die Vorderlippe ist grünlichweiß bis leicht rosa, herzförmig und mit gewelltem oder gekräuseltem Rand. Die Blüten duften angenehm nach Vanille. Der Stängel und auch der Fruchtknoten sind filzig grau behaart.
Die kleinblättrige Ständelwurz blüht von Mitte Juni bis Mitte Juli, Hauptblütezeit ist Ende Juni/Anfang Juli.

Verwechslung:
Theoretisch ist eine Verwechslung mit der Violetten Ständelwurz (Epipactis purpurata) möglich.
Jedoch blüht diese ca. 4-6 Wochen später, deren Blätter und Stängel sind lila überlaufen und die ganze Pflanze ist in ihrem Habitus deutlich größer und hat wesentlich größere Blüten als die Kleinblättrige Ständelwurz.

Einzelblüten - Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß

Lebensraum

Schattige Wälder (v.a.Buchenwälder), meist freistehend im Laub, ohne dichte Begleitvegetation, auf frischen, kalkreichen, oft humosen Böden.

Habitus – Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß

Schattiger Kalk-Buchenwald als Biotop für Epipactis microphylla - Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß

Sehr schön sind hier die kurzen Blätter (Name!) zu erkennen - Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß

Einzelblüte mit deutlich ausgeprägter Klebscheibe, die aber meist kaum wirksam ist - Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß


Obwohl die Kleinblättrige Ständelwurz Merkmale (z.B. der filzig behaarte Stängel und Fruchtknoten, sowie die stark gekräuselten Kalli auf der Vorderlippe) insektenbestäubter (allogamer) Arten aufweist, gehört sie doch zu den autogamen (selbstbestäubenden) Epipacten.
Die im oberen Bild gut erkennbare Klebscheibe trocknet relativ rasch ein und die zunächst kompakten Pollenpakete werden bröselig und gelangen aufgrund des tiefliegenden oberen Narbenrandes ungehindert auf die Narbe - Selbstbestäubung ist die Folge.
In Jahren ungünstiger, zu trockener Witterung öffnen sich die Blüten überhaupt nicht. Trotzdem ist in diesen Fällen Fruchtansatz zu beobachten.
Einzelblüte mit bereits eingetrockneter Klebscheibe und bröseligem Pollen
Würmtal 11.07.2004
Foto: U. Grabner
© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format

Blütenstand - Buchrangen 26.06.2009
Foto: F. Fraaß

Verbreitung

Von Süd-Spanien, Frankreich bis Mitteldeutschland über die Karpathen, Türkei, Krim, Kaukasus bis Nord-Iran. Im Süden bis Sizilien, Sardinien, Kreta und Zypern.

Verbreitung in Bayern / Gefährdung

Die äußerst seltene Art kommt vor allem in Nordbayern und Alpenvorland vereinzelt und sehr zerstreut vor. Standorte mit über 50 Pflanzen sind extrem selten. Meist findet man nur ein paar wenige an einem Fundort. Die typische Waldart ist durch Kahlschlag, Bau von Forstwegen und Wildverbiss bedroht. Aufgrund ihrer Seltenheit kann schon die Zerstörung eines einzelnen Standortes den Bestand wesentlich beeinträchtigen!

Florian Fraaß

Literatur:

AHO Bayern e.V., Die Orchideen Deutschlands, 2005.

AHO Bayern e.V., Orchideen in Bayern, 2006.

BARTHEL, P. -Orchideen – erkennen und schützen, Stuttgart, 1993.

BAUMANN, H., S. KÜNKELE & R. LORENZ - Die Orchideen Europas, Stuttgart, 2006.

CLAESSENS, J. & J. KLEYNEN (1995 [publ. 1996]) - Ber. Arbeitskr. Heim. Orchid. 12 (2): 4-16; 1995 [publ. 1996] Allogamie- und Autogamie-Tendenzen bei einigen Vertretern der Gattung Epipactis

PRESSER, H. -Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen, Landsberg/Lech, 2000.

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