Späte Händelwurz
Gymnadenia conopsea
ssp. serotina (SCHOENH.) DWORSCHAK, stat. nov


Basionym: Gym. conopsea - serotina, SCHÖNHEIT, Fl. Thüringens 432, 1850

Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: E 6 - A 7
Beschreibung

Nachdem G. splendida und G. splendida ssp. odorata im Alpenvorland abgeblüht, bzw. die Hochblüte erreicht haben, erscheint in der letzten Juniwoche eine kaum duftende, hochgewachsene Pflanze. Sie besitzt einen — im Vergleich zu den erstgenannten Gymnadenien — dünneren Stängel und einen viel lockereren, kürzeren Blütenstand. Man findet sie besonders in Nasswiesen mit Glanzfrucht-Binsen bis hin zu nassen Rutschungen in mittleren Lagen der bayerischen Alpen. Vergesellschaftet ist diese Pflanze zum Beispiel mit Dactylorhiza incarnata, Dactylorhiza incarnata ssp. serotina, Dactylorhiza traunsteineri, Juncus articulatus, Lysimachia vulgaris.
Die Pflanzen erreichen eine Höhe von um die 50 cm.
Diese Orchidee hat unterhalb der Infloreszenz einen Stängeldurchmesser von 1,8 mm bis 2,9 mm. Der Stängeldurchmesser am Boden beträgt 4 mm bis 5,5 mm.
Der Blütenstand ist sehr schütter und dennoch sehr vielblütig. Die Knospen stehen waagrecht vom Blütenstiel ab. Die Farbe der Blüten ist dunkel - bis hellrosa. Ihr Duft ist leider nur sehr schwach ausgeprägt und erinnert an einen leicht grasigen Nelken-Duft. Die Lippenbreite beträgt 6,5 mm bis 7,1 mm. Der Durchmesser des Sporns beträgt 0,8 mm bis 1,4 mm. Die Länge des Sporns beträgt 15,2 mm bis 17 mm. Die Blattfolge beginnt mit einem kleinen Blatt, es folgen 3 bis 5 große Laubblätter und 3 bis 5 kleine Hochblätter. Das erste große Blatt am Boden ist 4 mm bis 7 mm breit und 14 mm bis 43 mm lang. Das nächste große Blatt ist 9 mm bis höchstens 15 mm breit und 50 mm bis 115 mm lang, s. o.

Habitusaufnahme von Gymnadenia conopsea ssp. serotina am locus classicus bei Etting –  27.6.05
Foto: W. Dworschak

Etymologie
Der Name serotina (lateinisch: spät) soll auf den späten Blühtermin dieser Gymnadenia hinweisen.

Infloreszenz von Gym. conopsea ssp. serotina am locus classicus bei Etting – 15.6.01
Foto: W. Dworschak

Locus classicus bei Etting – 26.6.05
Foto: W. Dworschak

Abgrenzung
Sie ist die einzige noch blühende, hohe Gymnadenia-Pflanze in Biotopen, in denen alle 3 hochwüchsigen Formen vorkommen. Außerdem liebt sie sehr nasse "Füße”. In etwas trockeneren Teilen des Biotops ist oft die kräftiger "gebaute" Kreuzung mit Gymnadenia splendida ssp.odorata — zu finden. Sie besitzt feste Dactylorhiza incarnata-artige Blätter und einen besonders beim Austrieb rübenförmigen Blütenstand.

© AHO-Bayern e.V.

Habitus des Holotypus von Gymnadenia conopsea ssp. serotina bei Etting –  15.6.01
Foto: W. Dworschak

Verbreitungskarte im PDF- Format
Verbreitung

Bisher befinden sich die meisten Fundorte in Oberbayern, in einer Höhe von 550 m bis 1550 m.

Werner Dworschak

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