Spätblühende Bocks-Riemenzunge
[Himantoglossum hircinium (L.) Sprengel var. aestivalis] KREUTZ & STEINFELD


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae

Veröffentlicht in: KREUTZ C.A.J. & P. STEINFELD (2013): Himantoglossum hircinium var. aestivalis, eine spätblühende und lockerblütige Sippe der Bocks-Riemenzunge .- J. Eur. Orch. 45 (2-4): 317-328.
Blütezeit:
E 6 – M 7

Abb. 1
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman
Etymologie:
Die Bocks-Riemenzunge verdankt ihren Gattungsnamen der eigenartigen Form ihrer Blüten, deren lange Lippenzipfel wie ein Riemen aus der Blüte herausragen und die für diese Orchideengattung charakteristisch sind. Der Gattungsname ist aus den griechischen Worten „himas“ (Riemen) und „glossa“ (Zunge) gebildet. Der wissenschaftliche Artname hircinum bedeutet in der Übersetzung „Bock“ und nimmt auf den aufdringlichen und unangenehmen Geruch der Blüten Bezug. Das Varietäts-Epitheton weist auf die späte Blütezeit der Sippe im Frühsommer hin.
Beschreibung

Die Spätblühende Bocks-Riemenzunge unterscheidet sich von der Nominatform durch ihren zierlicheren und sehr lockerblütigen Habitus, ihre geringere Anzahl der Blüten je Infloreszenz sowie ihre länglich-linealischen Grundblätter. Das auffälligste Differenzierungsmerkmal liegt jedoch in der divergierenden Blütezeit. Die Anthese beginnt um den 20. Juni, also mehr als vier Wochen später als bei der Nominatsippe. Ergänzend sei erwähnt, dass der namengebende Geruch nach Ziegenbock bei der var. aestivalis kaum wahrnehmbar ist und die Rosettenblätter ein helleres Grün als die der typischen Bocks-Riemenzunge aufweisen.


Abb. 2
Tiefenstürmig, 20.06.2016
Foto: A. Riechelman

Verwechslung:
kaum möglich, da die Nominatform zum Blühzeitpunkt der Spätblühenden Bocks-Riemenzunge bereits fruchtet.


Abb. 3
Tiefenstürmig, 07.07.2018
Foto: A. Riechelman

Abb. 5
Tiefenstürmig, 22.06.2020
Foto: A. Riechelman

Lebensraum:

Südexponierter thermophiler Trockenrasen-Hang (Mesobrometum erecti)


Abb. 4
Tiefenstürmig, 11.03.2017
Foto: A. Riechelman
Verbreitung:
Zum Zeitpunkt der Erstbeschreibung waren von der Spätblühende Bocks-Riemenzunge sowohl Fundorte aus Rheinland-Pfalz (Kalkeifel), aus dem Saarland (Bliesgau) als auch aus Frankreich (Lothringen, Vercors) bekannt. Weitere Nachweise kamen für Luxemburg sowie für Sachsen-Anhalt (Nördliches Harzvorland), für Niedersachsen (Weser-Bergland) und Nordhessen hinzu.

Abb. 7
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Verbreitung in Bayern/ Gefährdung:
Bisher nur von Tiefenstürmig in der Nördlichen Frankenalb bekannt, über die Gefährdung kann noch keine Aussage gemacht werden.


Abb. 6
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 8
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 9
Tiefenstürmig, 16.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 10
Tiefenstürmig, 16.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 11
Tiefenstürmig, 22.06.2020
Foto: A. Riechelman

Abb. 13
Tiefenstürmig, 20.06.2016
Foto: A. Riechelman

Abb. 12
Tiefenstürmig, 22.06.2020
Foto: A. Riechelman

Abb. 14
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 15
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Abb. 16
Tiefenstürmig, 26.06.2021
Foto: A. Riechelman

Adolf Riechelmann

Literaturhinweis: Riechelmann, A. (2021): Die Spätblühende Bocks-Riemenzunge [Himantoglossum hircinium (L.) Sprengel var. aestivalis] Kreutz & Steinfeld – neu für die Nördliche Frankenalb .- Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 38(1): 117-187.


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