Dolomiten-Kohlröschen
Nigritella dolomitensis
(TEPPNER & KLEIN) HEDRÉN, E. KLEIN & TEPPNER (2000)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: E 6 – E 7
Soierngruppe, 14.07.2009: Blütenstand
Foto: H.C. Alt

Veröffentlicht in:
Phyton (Horn, Austria) 40 (2): 243 (2000)

Basionym:
Gymnadenia dolomitensis TEPPNER & E. KLEIN Phyton (Horn, Austria) 38 (1): 223 (1998)

Synonym:
Nigritella rubra (WETTST.) K. RICHTER var. dolomitensis (TEPPNER & E. KLEIN) R. LORENZ & PERAZZA (2004)

Holotypus:
Italien, Süd-Tirol, Östliche Dolomiten, Limojoch (Passo di Limo), Col Becchei di Sopra, flachgründige Rasen...; 26.7.1997; leg. J. CLAESSENS & KLEYNEN (FI). - Isotypus: GZU.

Etymologie:
dolomitensis = zu den Dolomiten gehörig, in den Dolomiten wachsend

Beschreibung:

Das Dolomiten-Kohlröschen ist N. miniata sehr ähnlich. Im Mittel ist die Wuchshöhe etwas geringer (8-20 cm). Der Blütenstand ist halbkugelig bis leicht eiförmig. Langgestreckte walzenförmige Blütenstände wie bei starken N. miniata -Exemplaren kommen nicht vor. Bei gleicher Größe des Blütenstands ist die Anzahl der Blüten geringer als bei N. miniata .
Das sicherste Unterscheidungsmerkmal sind die weiter geöffneten Lippen, zumindest am unteren Infloreszenzrand. Der Vorderteil der Lippe ist nur schwach eingerollt und wirkt eher dreiecksförmig, im Gegensatz zu den engen, tütenförmigen Lippenspitzen bei N. miniata . Die Einschnürung im unteren Bereich der Lippe ist ebenfalls geringer; die gegenüberliegenden Lippenränder berühren sich nicht. Dadurch ist die Säule bei voll geöffneten Blüten deutlich sichtbar.
Die Blütenfarbe ist meist etwas blaustichig, bewegt sich aber im Bereich der Variationsbreite von N. miniata . Gegen Ende der Anthese (Blühphase) hellen sich die unteren Blüten auf, die dadurch rosafarben werden. Der Stiftchensaum der Tragblätter ist in der Regel stärker ausgebildet als bei N. miniata .
Wo N. dolomitensis gemeinsam mit N. miniata auftritt (nur wenige Standorte!), scheint die Blühphase 1-2 Wochen früher zu liegen. Die Fortpflanzung erfolgt apomiktisch (asexuell).

N. dolomitensis wurde von Teppner & Klein (1998) als eigene Art nach Vorkommen im Bereich der östlichen Dolomiten (Fanes-Alm) beschrieben. Für den bayerischen Alpenraum wurde die Art erstmals von Werner DWORSCHAK (2002) durch einen Standort an der Ammergauer Hochplatte bestätigt.


Ammergauer Hochplatte, 05.07.2009:
Habitus einer typischen kleinwüchsigen
Pflanze
Foto: H.C. Alt

Soierngruppe, 10.07.2010: Biotop, Randbereich eines Gipfelplateaus in 2100m Höhe
Foto: H.C. Alt

Lebensraum

Die Art wächst nur über kalkhaltigen Böden in alpinen Gebieten. In den Dolomiten sind dies flachgründige Blaugras-Horstseggen-Rasen. In den Bayerischen Alpen finden sich die Wuchsorte auf südseitig ausgerichteten, steinigen Bergwiesen. Besonders bevorzugt werden gipfelnahe Lagen (ähnlich zu N. widderi). Begleitende weitere Orchideenarten sind die gleichen wie bei den übrigen Kohlröschen-Arten.

Verbreitung

Das Dolomiten-Kohlröschen ist in Bayern noch deutlich seltener als das Rote Kohlröschen. Die wenigen, inselartigen Wuchsorte erstrecken sich von den Chiemgauer bis zu den Ammergauer Alpen. Meist finden sich an den Standorten nur wenige Exemplare. Die Höhenlage liegt nach der aktuellen Verbreitungsübersicht zwischen 1200 und 2150 m.


Soierngruppe, 14.07.2009:
Biotop, steiniger Südosthang in 2150 m Höhe

Foto: H.C.Alt

Gefährdung

Durch die wenigen Vorkommen ist die Art durch jede Beeinträchtigung der Biotope potentiell bedroht. In den Gipfelregionen sind Trittschäden durch Bergwanderer nicht selten. In tiefer liegenden Bereichen müssen Überweidung, Wegebau und sonstige Nutzungsveränderungen vermieden werden.

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitungskarte im PDF- Format

Soierngruppe, 14.07.2009: Typische Begleitflora
Foto: H.C. Alt

Ammergauer Alpen, Hochplatte 28.06.2003
Foto: U. Grabner

Soierngruppe, 10.07.2010: Blütenstand
Foto: H.C. Alt
Hans Christian Alt

Literatur

AHO Bayern e. V. (Hg.) (2006):
Verbreitungsübersicht der Orchideen in Bayern
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid., Beih. 7

BRÜTSCH J. P. J. (2000):
Die Gattung Nigritella
Bauhinia 14, 21-32

DWORSCHAK W. (2002):
Nigritella dolomitensis, neu für Bayern
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid., 19 (1), 93-96
 
GRIEBL N. (2009):
Die Gattung Nigritella in Österreich
Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 26 (1), 76-105

PRESSER H. (2002):
Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen
ecomed, Landsberg

TEPPNER & E. KLEIN (1998):
Phyton (Horn, Austria) 38 (1): 223 (1998) Etiam atque etiam - Nigritella versus Gymnadenia: Neukombinationen und Gymnadenia dolomitensis spec. nova (Orchidaceae-Orchideae)

WUCHERPFENNIG W. (1999):
Die Gattung Nigritella
www.aho-bayern.de/nigritella.pdf

Zurück
© 2010 AHO Bayern e. V.