Prächtiges Knabenkraut
Orchis mascula
ssp. speciosa (W.D.J. KOCH) HEGI


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: M 5 - A (E)6

Syn.
Orchis mascula ssp. signifera (Vest) S
Orchis ovalis F.W. SCHMIDT ex MAYER
Orchis mascula ssp. acutiflora (KOCH) QUENTIN

Beschreibung

20 bis 40 cm hoch, Stängel oben meist rot überlaufen. Die rosettig angeordneten, lanzettlichen Laubblätter sind eher dunkelgrün und ungefleckt, aber wie die Stängelbasis, zum  Grund zu fein gestrichelt.
10 – 40 mittelgroße, rotviolette Blüten bilden einen langen, „zerrupft“ wirkenden Blütenstand. Die vierteilige Lippe ist am Rand m.o.w. gezähnt, sie besitzt ein weißes Zentrum mit roten Punkten oder Strichen, der schlanke, oft gebogene Sporn weist nach oben. Die seitlichen Sepalen stehen auch bei Hochblüte nur waagrecht ab und sind oft spitz ausgezogen, die übrigen Kronblätter bilden einen Helm.
Variation: Sehr selten kommen Pflanzen mit rosa oder weißen Blüten vor.

Typischer Blütenstand – Steigerwald
Foto: H. Presser

Verwechslung:

Die ssp. mascula hat die seitlichen Sepalen nach oben zusammengeschlagen, die Laubblätter sind nicht gestrichelt sondern ungezeichnet oder deutlich gefleckt. Vgl. auch „Besonderheiten“!
Weitere ähnliche Sippen siehe unter ssp. mascula!

Blütezeit:
Mitte Mai bis Anfang (Ende) Juni, auf hoch gelegenen Bergwiesen bis in den Juli

Lebensraum in Bayern:

Die ssp. speciosa besiedelt ebenfalls überwiegend frische, karbonatische bis silikatische, vorwiegend basenreiche Böden. Sie gedeiht besonders auf Bergwiesen, aber ebenso unter Gehölzen. Im Gebirge steht sie gern auch am Südhang ohne Deckung und kommt mit Beweidung gut zurecht.

Habitus – Steigerwald
Foto: H. Presser

Alpine, oder wie hier, subalpine Matten, meist auf mehr oder weniger saurem Untergrund, sind der bevorzugte Lebensraum dieser Unterart - Tremalzo (Italien)
Foto: H. Presser
Verbreitung

Die Art hat ein recht ausgedehntes, wenn auch sehr lückenhaftes Verbreitungsgebiet: Von NW-Afrika bis zu den Britischen Inseln, Skandinavien, vom Kaukasus bis in die Türkei, weit abgesetzt im Ural. Die italienischen Vorkommen dürften zur ssp. speciosa gehören.

Einzelblüten von Orchis mascula ssp. speciosa - Bayerischer Wald
Foto: H. Presser

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitung in Bayern / Gefährdung

Die Unterart ist vor allem in den Alpen und Osteuropa (auch östliches Mitteleuropa, aber nicht im Norden!) zu finden. Doch auch zumindest teilweise auf der Balkanhalbinsel und besonders in den italienischen Gebirgen löst die ssp. speciosa die Nominatform ab. Das südlichste Vorkommen dürfte auf Sizilien liegen.

Gefährdung:
Auch die Bestände der ssp. speciosa sind eher rückläufig, allerdings weniger stark als bei der ssp. mascula, die weniger in den Bergen vorkommt.

Verbreitungskarte im PDF- Format

Besonderheiten:
Schräg durch Bayern verläuft eine breite Kontaktzone zwischen den beiden Unterarten. Hier kann man alle Zwischenformen und Merkmals-Kombinationen auch innerhalb einer Population finden. Nach Nordwesten zu häufen sich dann die mascula-Formen (besonders im Flachland), nach Südosten zu dementsprechend die signifera-Formen (besonders im Bergland).
Die in den alpinen Lagen vorkommenden Populationen in Bayern sind wohl recht sicher als ssp. speciosa bestimmbar, während beispielsweise die Vorkommen im Alpenvorland, speziell im Fünfseenland um Starnberger- und Ammersee, nur besagte Mischpopulationen zu finden sind.
Hier ist eine sichere Zuordnung von Populationen nach morphologischen Merkmalen praktisch nicht möglich. Die Tendenz weist aber mehr in Richtung ssp. speciosa.
Ein Vergleich der Merkmalsunterschiede in Kurzform finden Sie hier.
Bei gemeinsamen Vorkommen mit Orchis pallens sind Hybriden nicht selten.

Eines der eher seltenen "Gehölzbiotope" im Bayerischen Wald
Foto: H. Presser
Auf den subalpinen Matten (Wendelsteiner Almen - Bildmitte) auf der Südseite des Tagweidkopfes (1724 m) kann man zerstreut Orchis mascula ssp. speciosa finden. Links im Hintergrund der Wendelstein. - 16.05.2006
Fotos: U. Grabner
- Steigerwald - Bestäubt wird das Prächtige Knabenkraut von verschiedenen Insekten, hier von einer Honigbiene (Apis mellifera). Der Fruchtansatz ist mit bis zu 20 % eher unterdurchschnittlich. Von Bestäubern wurden bisher nur sehr wenige Beobachtungen veröffentlicht.
Fotos: H. Presser
Bayerischer Wald - wahrscheinlich eine Steinhummel als Bestäuber.
Foto: H. Presser

Steigerwald - Blütenstand -
Foto: H. Presser

Andechs - Orchis mascula ssp. speciosa weist an der Stängelbasis oftmals eine charakteristische rötliche Strichzeichnung auf.
Gerade um Andechs kann man jedoch auch Pflanzen mit Merkmalen beider Unterarten beobachten.
Foto: H. Presser

Bayerischer Wald - auch hier mit Strichzeichnung an der Stängelbasis
Foto: H. Presser
zum Vergleich der beiden Unterarten in Kurzform

Helmut Presser

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