Purpur-Knabenkraut
Orchis purpurea
HUDSON (1762)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: A 5 - E 5 (A 6)

Beschreibung

Das Purpur-Knabenkraut ist eine robuste und stattliche Orchidee. Mit einer Höhe bis zu 80 cm gehört es zu den größten heimischen Knabenkräutern.
Der große Blütenstand mit seiner kontrastreichen Färbung macht die Bestimmung leicht.
Die Blütenfärbung und Form kann recht variabel sein. So variiert die tief dreigeteilte Lippe von weißlich bis hell rosa mit roten, behaarten Punkten. Der Mittellappen ist breit und meist gespalten, der Helm dunkel purpurrot. Zudem duften die Blüten leicht nach Vanille.
Das Purpur-Knabenkraut besitzt 6-10 sehr große, dunkelgrün glänzende, ovale bis lanzettliche Laubblätter, die rosettig am Grund des kräftigen, purpurn überlaufenen Stängels angesetzt sind.
Die Blütezeit erstreckt sich von Anfang bis Ende Mai, vereinzelt bis Anfang Juni.

Typischer Blütenstand – Staffelberg 04.05.2009
Foto: F. Fraaß

Verwechslung:

Man könnte aufblühende Exemplare mit dem Brand-Knabenkraut verwechseln, jedoch ist das Purpurknabenkraut im Vergleich zum zierlichen Brand-Knabenkraut allein schon der Größe wegen deutlich zu unterscheiden.

Häufig kommt das Purpur-Knabenkraut an seinen Standorten gemeinsam mit dem Helm-Knabenkraut vor. Das Helm-Knabenkraut hat aber einen spitzen, hellen Helm mit dunkler Lippenfarbe. Der Mittellappen der Lippe ist anfangs linealisch, dann plötzlich verbreitert.
Da Helm- und Purpur-Knabenkraut bei gemeinsamen Vorkommen gern bastardisieren, sind diese Mischformen deutlich schwieriger zu bestimmen!
Man sollte hierbei bedenken, dass Bastarde in den seltensten Fällen aus genau zwei gleichen Anteilen ihrer Elternpflanzen bestehen. Die kann bei größeren Populationen zu Bestimmungsproblemen führen.
Die Hybriden besitzen jedoch einen deutlich helleren Helm (purpurea --> rotbraun bis beinah schwarz; Hybride --> dunkel - hell magenta), schmälere Lippenlappen und somit deutlicher gegliederte Lippen, einen dichteren Blütenstand und etwas kleinere Blüten.

Habitus – Staffelberg 04.05.2009
Foto: F. Fraaß

Lebensraum

Die wärmeliebende Orchidee wächst bei uns in lichten Wäldern, zwischen Gebüsch, an Waldsäumen und auf mageren Halbtrockenrasen. Nur auf Kalk.

An Wald- oder Gebüschsäumen ist Orchis purpurea ab und an zu finden. - Erlangen 08.05.2004
Foto: Katja Grabner

Aufgrund der hohen Variationsbreite sind solch helle Blüten keine Seltenheit – Staffelberg 08.05.2009
Foto: F. Fraaß

Verbreitung

Die Nordgrenze der Verbreitung liegt in Südengland und Dänemark. Im Süden ist die Art bis Südspanien, Nordost-Sizilien, Peleponnes und der Süd-Türkei zu finden. Im Osten erstreckt sich die Verbreitung durch die mittlere Türkei bis zur Krim.

© AHO-Bayern e.V.
Verbreitung in Bayern / Gefährdung

Fast alle Vorkommen der seltenen Art erstrecken sich auf die Mittelgebirge in Nord- und Nordwestbayern bis zu einer Höhe von ca. 660m. Stellenweise ist sie noch am Bodensee vertreten.
Auch wenn sich das Purpur-Knabenkraut regional vereinzelt ausbreitet, ist es eine seltene Orchidee in Bayern.
Lichtmangel in zu dichten Baumbeständen und forstwirtschaftlicher Wegebau gelten als Gefährdung.
Zudem ist die prächtige Orchidee auch vor Pflücken oder Ausgraben nicht sicher.
Bitte immer daran denken: Alle Orchideen in Deutschland, bzw. in ganz Europa (!), sind geschützt!

Verbreitungskarte im PDF- Format
All diese Blütenstände stammen aus demselben Biotop und zeigen die große Variationsbreite des Purpur-Knabenkrauts – Staffelberg 08.05.2009
Fotos: F. Fraaß

Purpurknabenkraut (rechts) neben dem Bastard Purpur x Helm-Knabenkraut – Staffelberg 04.05.2009
Foto: F. Fraaß

Bei gemeinsamen Vorkommen hybridisiert das Purpurknabenkraut gerne mit dem Helm-Knabenkraut – Staffelberg 08.05.2009
Foto: F. Fraaß

Florian Fraaß

Literatur:

- AHO Bayern e.V., Die Orchideen Bayerns, 2005.

- ARBEITSKREISE HEIMISCHE ORCHIDEEN (Hrsg. ed.): Die Orchideen Deutschlands; Uhlstädt Kirchhasel.

- Presser, H., Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen, Landsberg/Lech, 2000.

- Barthel, P., Orchideen – erkennen und schützen, Stuttgart, 1993.

- Baumann, H., Die Orchideen Europas, Stuttgart, 2006.

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