Grünliche Waldhyazinthe
Platanthera chlorantha
(CUSTER) REICHENBACH (1829)


Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Subtribus: Orchidinae
Blütezeit: M 5 – M 7, je nach Höhenlage
Häufig sind die Einzelblüten grünlich überlaufen (Name !) – Wonsees 30.5.2009
Foto: Florian Fraaß

Veröffentlicht in:
J. C. MÖSSLER, Handbuch der Gewächskunde. ed. 2, 2 (2): 1565 (1829)

Basionym:
Orchis chlorantha CUSTER in STEINMÜLLER, Neue Alpina 2: 401 (1827)

Synonym:
Orchis virescens ZOLLIKOFER (1829) nom. inval.
Orchis montana F.W. SCHMIDT (1793)
Platanthera montana (F.W. SCHMIDT) REICHENBACH fil. (1851)

Etymologie:
Plathanthera = aus dem Griechischen zusammengesetzt aus platys = groß, platt und anthera = Staubbeutel und bezieht sich auf die Form der Pollinarien

chlorantha = zusammengesetzt aus dem Griechischem; chloros =blassgrün, grüngelb sowie anthos = Blüte und bezieht sich auf die grünliche Färbung der Blüten

Beschreibung:

Schlanke, häufig stattliche Pflanze (20-60 cm hoch) mit langgestrecktem, zylindrischen Blütenstand.
Kantiger Stängel, welcher am Grund zumeist zwei (selten auch 3-4) glänzende eliptische Blätter trägt.
Der lockere Blütenstand ist mit zahlreichen Blüten besetzt.
Die Blüten selbst sind relativ groß. Die seitlichen Sepalen stehen ab, während das mittlere Sepalum breit über die Säule gewölbt ist. Dabei ist die Lippe 10-18 mm lang und ungeteilt (wirkt etwas wie eine Zunge).
Der Sporn ist äußerst dünn und ziemlich lang. Die Blütenfarbe wirkt weiß bis grünlich (Name !).
Das vielleicht deutlichste Erkennungsmerkmal dieser Waldhyazinthe sind die weit auseinander stehenden Staubbeutelfächer, welche sich häufig wie ein Dach aufeinander zu neigen.

Blütezeit im Tiefland von Mitte Mai – Mitte Juni, in höheren Lagen (Mittelgebirge, Alpen) von Mitte Juni – Mitte Juli.


Kräftiges Exemplar mit deutlich zu erkennendem kantigen Stängel – Beerfleck 13.6.2009
Foto: Florian Fraaß

Verwechslungsmöglichkeiten

Die grünliche Waldhyazinthe, auch Berg-Waldhyazinthe genannt, kann eigentlich nur mit der Weißen Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) verwechselt werden. Auf den ersten Blick wirken beide Arten sehr ähnlich, bei genauerem Hinsehen gibt es aber sichere Unterscheidungsmerkmale. Das Auffälligste ist die Stellung der Staubbeutelfächer der Einzelblüten. Während diese bei Platanthera chlorantha weit auseinander stehen, sind sie bei Platanthera bifolia parallel eng nebeneinander. Des Weiteren wirkt Platanthera chlorantha insgesamt stattlicher und die Blüten sind grünlicher als bei Platanthera bifolia. Von der Blütezeit zeigt Platanthera chlorantha häufig die Tendenz, ca. 1-2 Wochen vor Platanthera bifolia zu blühen (dies muss aber nicht immer sein).


Als sicherstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Platanthera bifolia und Platanthera chlorantha gilt die Anordnung der Staubbeutelfächer (Antheren). Links P. bifolia mit paralleler Stellung, rechts P.chlorantha mit weit auseinander stehender Stellung der Antheren.
Foto: Florian Fraaß

Spitzingsee, 11.07.2004
Foto: U. Grabner

Bergwiese im Mittelgebirgsraum mit Vorkommen von Platanthera chlorantha und Listera ovata – Beerfleck 10.6.2009
Foto: F. Fraaß

Lebensraum

Die grünliche Waldhyazinthe wächst auf schattigen Waldwiesen, in lichten (Kiefern)wäldern aber auch auf moorigen Wiesen, (selten) Magerrasen und Bergwiesen. Dabei bevorzugt sie basenreiche, häufig wechselfeuchte kalkhaltige Böden.
Bis 2000 m.

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Verbreitungskarte im PDF- Format

Verbreitung

Platanthera chlorantha kommt im Norden bis ins südliche Skandinavien wie auch Island und Großbritannien vor, während sie sich im Süden bis nach Nordspanien, Sizilien, Peleponnes ausdehnt. Im Osten erstrecken sich die Vorkommen über Westasien, China bis nach Korea und Japan. Sie ist in Höhen bis 2200 m zu finden.

Verbreitung in Bayern und Gefährdung

Platanthera chlorantha zählt in den Kalkgebieten noch zu den „häufigeren“ Orchideenarten, wobei es regional große Unterschiede geben kann. Am ehesten sind Vorkommen durch Wegebau oder forstwirtschaftliche Maßnahmen gefährdet.
In Bayern sind die Hauptverbreitungsgebiete dieser Orchidee im Voralpenland und den Alpen sowie im fränkischen Jura und in Unterfranken. Da diese Art kalkliebend ist, ist sie in bodensauren Gebieten nur äußerst selten anzutreffen.


Blütenstand – Beerfleck 13.6.2009
Foto: Florian Fraaß


Blütenstände, Mitte Juni bei Weilheim
Foto: Hermann Eissenbeiss


Sehr schön zu erkennen sind die weit auseinander stehenden Staubbeutelfächer – Wonsees 30.5.2009
Foto: Florian Fraaß

Einzelblüte – Zedersitz 30.5.2009
Foto: Florian Fraaß

Trotz ihrer Größe ist Platanthera chlorantha im hohen Gras von lichten Wäldern manchmal nur wenig auffällig – Zedersitz 30.5.2009
Foto: Florian Fraaß

Aufblühendes Exemplar – Kreppling 15.5.2009
Foto: Florian Fraaß

im Biotop bei Karlstadt, 14.06.2010
Foto: Wolf-Achim Roland
Florian Fraaß
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