Frauenschuh
Cypripedium calceolus
LINNÉ


Orchidee des Jahres 1996 und 2010
Unterfamilie: Cypripedioidaea
Tribus: -
Subtribus: -
Blütezeit: E 5 - M 6

Beschreibung
Der Frauenschuh ist wohl das Sinnbild unserer heimischen Orchideen.
Ihre große, "aufgeblasene" zitronengelbe Lippe leuchtet schon von weitem aus dem Unterwuchs und verströmt einen ganz leichten aprikosenähnlichen Duft.
Da sie sich auch vegetativ, das heißt über die Wurzelsprosse, vermehrt, steht sie nicht selten in größeren Gruppen, sogenannten Horsten zusammen, was oft ein beeindruckender Anblick ist.
Die Pflanzen sind allgemein recht kräftig und werden bis zu 50 cm hoch. Die Laubblätter sind groß, stängelbegleitend und spitz oval geformt. Außerdem sind sie deutlich längs geädert und unterseits fein behaart.
Der Blütenstand ist in der Regel ein- bis zweiblütig. Selten treten Blütensprosse auch mit drei bis vier Blüten auf.
Die Lippe ist groß, gelb und als "Kesselfalle" in Form eines Pantoffels ausgebildet. In diesem Kessel fängt sie Hautflügler, vor allem Erd-

- Habitus - Spitzingsee - 26.06.2005
Foto: U. Grabner

bienen. Der Frauenschuh ist keine "fleischfressende" Pflanze, sondern das Fangen der Insekten dient nur dem Zweck der Bestäubung.
Durch kleine transparente "Fensterchen" am hinteren Teil der Lippe scheint Licht in den Kessel und lockt die Insekten am hinteren Lippenrand den einzig erklimmbaren Weg wieder aus dem Kessel heraus.
Dabei wird ihnen etwas der klebrigen Pollenmasse auf den Rücken geheftet. Fällt nun dieses Insekt wieder in eine solche Kesselfalle, streift es die Pollen an der Narbe der Blüte beim erneuten Hinaufklettern ab - die Blüte ist bestäubt.
Die äußeren und inneren Perigonbätter (Sepala und Petala) sind purpurbraun gefärbt.
Normalerweise besitzen Orchideenblüten 5 Perigonblätter, 3 Sepala und 2 Petala. Beim Frauenschuh sind es auf den ersten Blick aber nur vier, was aber daran liegt, dass die zwei seitlichen Sepala nach unten hängen und miteinander verwachsen sind. Ein kurzer schmaler Spalt zeigt, dass es eigentlich zwei Blätter gewesen sind.
Sehr selten treten auch Exemplare mit gelben Perigonblättern, sogenannte "Goldschuhe" auf.

- Einzelblüte - Wolfratshausen - 25.05.2006
Foto: U. Grabner

Solch fantastische Anblicke wie hier in der Oberpfalz sind leider viel zu selten!
In weiten Teilen Deutschlands und auch Bayerns ist der Frauenschuh aus Gebieten, wo er früher nicht selten war, heute komplett verschwunden.
Foto: H. Presser
Verwechslung
Zur Blütezeit ist diese Orchidee unverwechselbar. Nichtblühende Exemplare könnten mit der Breitblättrigen Ständelwurz (Epipactis helleborine) oder dem Weißen Germer (Veratrum album) verwechselt werden.
Die Ständelwurz ist auf der Blattunterseite aber unbehaart und besitzt eine weniger deutliche Nervatur. Der Germer hat stärker gerippte stumpfer endende, breit-ovale Blätter.

Die Lebensräume des Frauenschuhs sind recht vielgestaltig. Sie kommt in lichten Kiefernwäldern, Wacholder-Steppenheiden, Buchen- und Fichtenforsten Eichen- und Hainbuchebeständen und Flussauen vor.
Voraussetzung ist Kalkboden, wobei sie oberflächliche Versauerung tolerieren kann.
Zu dunkle und zu luftrockene Standorte meidet sie.
Gern steht sie halbschattig in lichtdurchfluteten Kiefernberständen, Wald- und Gebüschrändern.
In der subalpinen Stufe kann sie bis über 1400 m vorkommen.

Blick auf die "Fensterchen" und den schmalen Ausstieg aus der Falle. Oberhalb sitzen die Staubbeutel mit der klebrigen Pollenmasse - Wolfratshausen - 23.05.2008
Foto: U. Grabner

Der "Goldschuh" ist eine sehr seltene Erscheinung - den Blüten fehlt der rote Farbstoff - Oberpfalz, 18.05.2009
Foto: B. Tenschert
Verbreitung
weit verbreitet in Mittel-, Nord- und Osteuropa, ferner im temperaten und borealen Asien, Kaukasien und isoliert in Zentralchina.

Oberpfalz, 18.05.2009
Foto: U. Grabner


Verbreitung in Bayern/ Gefährdung
Ähnlich wie bei der Gattung der Waldvöglein sind die Verbreitungsschwerpunkte in Bayern auf die Kalkgebiete der Alpen, des Voralpenlandes, der Fränkischen Alb und der Mainfränkischen Platten konzentriert.
Die ehemals nicht seltene Orchidee ist in Ihrem Bestand durch Zuwachsen ihrer Lebensräume und leider auch stellenweise akut durch Augrabungen und Pflücken von "Naturliebhabern" gefährdet und zurückgegangen.
An vielen Stellen Deuschlands ist sie mittlerweile ausgerottet.
Bitte weisen Sie jeden, der Hand an den Frauenschuh anlegen will darauf hin, dass diese Art nicht nur in Deutschland streng geschützt ist und des Schutzes bedarf!

© AHO-Bayern e.V.
Allgäu, Röthenbach 20.05.2009
Foto: Dieter Gschwend
Verbreitungskarte im PDF- Format
Uwe Grabner
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